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5. Engineering- und IT-Tagung

Chancen durch Zusammenarbeit nutzen

30.09.2013 Ι Inspirierende Diskussionen und interessante Expertenbeiträge: die 5. Engineering- und IT-Tagung mit dem Motto "Zusammenarbeit" hat die Fragen der Beschäftigten thematisiert. Egal ob es um internationale Zusammenarbeit ging oder um eine umgestoßenen Tasse Kaffee, die den eigenen Laptop zum Versicherungsfall macht.

Eine der entscheidenden Fragen warf Christiane Benner auf, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und unter anderem zuständig für die ITler und Ingenieure: "Wie schaffen wir es, dass nicht die negativen, sondern die positiven, fortschrittlichen Effekte überwiegen?" Die Rede war von den Herausforderungen und Möglichkeiten der zunehmend vernetzten Arbeitswelt. Die biete viele Chancen, die es zu nutzen gelte. Der Wandel müsse im Sinne der Beschäftigten aber auch verantwortungsvoll gestaltet werden.

Die rund 300 Besucher der Engineering- und IT- Tagung bekamen in Berlin vom 24. bis zum 26. September aber keinesfalls nur Fragen zu hören. Die Vorträge der Experten, die Diskussionen und die sechs Foren mit verschiedenen Themen - alle mit Bezug zum Tagungs-Motto "Zusammenarbeit" -  lieferten viele Antworten und Anregungen für die Praxis. Organisatoren waren die Hans-Böckler-Stiftung und die IG Metall, Gastgeber war in diesem Jahr die Siemens AG, die den Besuchern der 5. Engineering- und IT-Tagung ihre "Mosaikhalle" zur Verfügung stellte. Letztere ist rund 100 Jahre alt und war damit der richtige Ort, um über die Verknüpfung von angestammten Ingenieurskünsten mit neuen Technologien zu diskutieren.
 
Konzepte zum mobilen Arbeiten
Beispielsweise im Forum "Mobiles Arbeiten gestalten - Work-Life-Balance verbessern" überschütteten die Zuhörer die Expertenrunde geradezu mit Fragen. Ein Beleg für den großen Gesprächsbedarf. "Wie werden bei euch Dienstreisen erfasst? Wie regelt ihr die Einhaltung von Pausenzeiten? Wer muss zahlen, wenn man Zuhause seinen Kaffee über den Laptop schüttet?" Unter anderem Eric Jäger, Betriebsratsvorsitzender bei der Robert Bosch GmbH in Abstatt, gab Antworten. In seinen Leitlinien legt Bosch besondere Betonung auf die familiären und betrieblichen Bedürfnisse der Mitarbeiter. Dies, indem das Unternehmen etwa mobiles Arbeiten fördert. So sollen beispielsweise Mütter und Väter flexibel von Zuhause aus arbeiten können, wenn das Kind einmal krank ist. "Der Laptop ist versichert, Reisezeit ist Arbeitszeit, Pausenzeiten werden von unserem System automatisch abgezogen. Wie man sie sich einteilt, ist egal", antwortete Jäger auf die drei Fragen.
Neben ihm saß Peter Cammerer, Mitglied des Betriebsrats der BMW AG München. "Bei uns muss jeder Mitarbeiter einen Mobilarbeitsführerschein machen", erklärte er das Konzept des Autobauers. Das sei wichtig, um gesetzlichen Regelungen kennenzulernen und so nicht zuletzt die Selbstbestimmung der Beschäftigten zu stärken. Bei mobilem Arbeiten sei dies von besonderer Bedeutung, um die Entgrenzung von Arbeitszeiten zu verhindern.
 


Führungskräfte für Aufgaben qualifizieren
Über solche verpflichtenden Schulungen würde sich wohl auch Bernhard Badura von der Universität Bielefeld freuen. Er referierte zum Thema "Führungskultur und Zusammenarbeit". Und gab zu bedenken: "Wir verlangen von jedem, der ein Auto fährt, einen Führerschein. Führungskräfte brauchen anscheinend keine Qualifikationen." Um Probleme im Betrieb zu identifizieren, seien Mitarbeiterbefragungen wichtig. Natürlich nur von professioneller Hand begleitet. Ansonsten könnten solche Befragungen auch kontraproduktiv sein. Beispielsweise müsse im Voraus mit dem Management vereinbart sein, dass die Ergebnisse veröffentlicht und identifizierte Probleme dann auch angegangen werden. Andernfalls könne das Vertrauen der Mitarbeiter leiden. Dass das Management sich eventuell mit Kritik auseinandersetzen muss, dürfe kein Grund für Geheimhaltung sein. Auf der anderen Seite könnten auch die Angestellten die Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen verfälschen und diese so positiver ausfallen lassen als die realen Verhältnisse. "Viele (Akademiker) wollen sich einfach nicht eingestehen, dass etwas nicht stimmt", meldete sich ein Zuhörer zu Wort.
 
In anderen Foren diskutierten die Teilnehmer beispielsweise über Büroarbeitsplätze der Zukunft, internationale Zusammenarbeit, alternsgerechte Arbeit, Social Media im Betrieb, Gamification (spielerische Gestaltung von Arbeit) und gewerkschaftliche Perspektiven für die Crowd. Für letzteres Thema hatte die IG Metall unter anderem den jungen Experten und US-Amerikaner Six Silberman gewonnen, der erstmals nach Deutschland kam. Er stellte sein Reputationssystem Turkopticon vor, mit dem Arbeitnehmer auf Amazons virtuellem Marktplatz für Arbeit Mechanical Turk ihre Auftraggeber bewerten können. Eine Inspiration auf der Suche nach besseren Arbeitsbedingungen im Netz.
 
Lösungen mit den Beschäftigten entwickeln
Die sprach auch Christiane Benner in ihrer Rede an: "Menschliche Intelligenz per Mausklick in den Einkaufswagen legen und nach Gebrauch wieder im Shop abgeben: Diese Amazonisierung der Arbeitswelt kann kein Modell für die Zukunft sein." Andererseits hätten solche Trends und neuen Technologien aber natürlich das Potenzial, die Welt und auch die Arbeit besser zu machen. Nötig seien zeitgemäße Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und Gesetze, die die Interessen von Beschäftigten in der digitalen Arbeitswelt abbilden.
 
"Wir wissen: Passgenaue Lösungen müssen mit den Beschäftigten, mit euch, entwickelt werden. Nur dann werden die gefundenen Lösungen auch gelebt", sagte Berthold Huber, der Erste Vorsitzende der IG Metall, in seiner Rede. Die angesprochenen Beschäftigten und zahlreiche Betriebsratsmitglieder zeigten sich von den Referaten, von den Beiträgen der Zuhörer und den für alle offenen Diskussionen durchaus angetan und inspiriert. "Ich schau mir das Social-Media-Forum an: das ist wirklich spannend", sagte ein Teilnehmer in einer Kaffeepause am Stehtisch. "Ich bin im Forum Mobiles arbeiten. (...) Das sind klasse Konzepte. Um die umzusetzen, ist natürlich starke Betriebsratsarbeit nötig." Dass letztere in die richtige Richtung geht, legt unter anderem auch ein Blick auf die Mitgliederzahlen nahe. In diesem Jahr sind bereits 17 000 Angestellte neu in die IG Metall eingetreten; dazu 1500 Studierende - die Zukunft der Branchen IT und Engineering.

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Foto: panthermedia / Mykola Velychko
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Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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