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2011 stehen bei der IG Metall drei Tarifrunden an. Foto: IG Metall

2011 stehen bei der IG Metall drei Tarifrunden an

Warum Tariferhöhungen wirtschaftlich sinnvoll sind

31.01.2011 Ι Ab 9. Februar verhandelt die IG Metall über mehr Geld für die Beschäftigten in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie. Bei VW wird zur Zeit verhandelt. Und auch in den Holz- und Kunststoffbetrieben stehen Tarifrunden an.

Schon seit Januar verhandelt die IG Metall für die rund 100 000 westdeutschen VW-Werker. Sie fordert sechs Prozent mehr Geld. Der Arbeitgeber legte am 28. Februar ein Angebot vor: 2,9 Prozent mehr Geld ab Juni plus 300 Euro Einmalzahlung für Februar bis Mai. Der neue Tarifvertrag soll 23 Monate laufen. IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine bezeichnete das Angebot als "Schritt in die richtige Richtung". Aber bei der Laufzeit müsse VW sich noch "bewegen". Sie ist der IG Metall zu lang. Am 7. Februar wird weiterverhandelt.

Die Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Alle wirtschaftlichen Daten sprechen für einen kräftigen Anstieg der Löhne und Gehälter. Die Autoindustrie boomt, die Konzerne fahren wieder Sonderschichten. 2008 waren die Aufträge um 11,6 Prozent eingebrochen. 2009 gingen sie noch einmal um 13,3 Prozent zurück. Doch dann erholte sich die Branche schneller als erwartet. 2010 gab es schon wieder ein Plus von über 18 Prozent. Zu verdanken war der Auftrieb vor allem der Nachfrage aus den USA, China, Russland, Brasilien und Indien. Die Umsätze stiegen - nach einem Minus von 18 Prozent im Jahr 2009 - 2010 wieder um 19,8 Prozent. Auch Volkswagen profitierte vom positiven Trend. 2010 lieferte der Konzern zum ersten Mal mehr als sieben Millionen Fahrzeuge aus; es gelang ihm, das operative Ergebnis von 2009 zu verdreifachen. Erarbeitet haben den Erfolg vor allem die Beschäftigten. Aus Sicht der VW-Werker und der IG Metall ist es darum nur fair und gerecht, wenn sie jetzt im Aufschwung die Früchte miternten.

Die Inlandsnachfrage muss gestärkt werden

Zumal auch die Wachstumsprognosen für dieses Jahr positiv sind. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt um 2,2 Prozent zulegt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet sogar ein Plus von 2,5 Prozent. Das sind allerdings Rechnungen mit vielen Unbekannten. Denn niemand weiß, wie sich die Rohstoffpreise, die Finanzmärkte und die Euro-Schuldenkrise entwickeln und sich die angekündigten Sparmaßnahmen bei den Staatsausgaben vieler Länder auswirken. Wegen dieser internationalen Risiken ist es um so wichtiger, dass neben der Auslandsnachfrage auch das zweite Standbein der Wirtschaft gestärkt wird: die Inlandsnachfrage. 

Beschäftigte müssen am Aufschwung beteiligt werden

Doch ob die deutschen Verbraucher soviel mehr ausgeben, ist eine offene Frage. Denn trotz Aufschwung können sie sich, wenn man die Preissteigerungen berücksichtigt, dieses Jahr nicht viel mehr kaufen als im letzten Jahr. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Verbraucherpreise 2011 um 1,7 Prozent steigen. Das würde bedeuten, dass die Einkommen der Arbeitnehmer faktisch nur um 0,4 Prozent wachsen, also so gut wie gar nicht. Aus diesem Grund ist es nicht nur gerecht, dass die Beschäftigten am Aufschwung teilhaben, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Höhere Einkommen stärken die Inlandsnachfrage und stützen damit die Konjunktur.

Tarifverhandlungen starten im Februar

Gerade die deutschen Textil- und Bekleidungsfirmen und die Holz- und Kunststoffbranchen leben von der Inlandsnachfrage. Für die Holz- und Möbelhersteller beraten die Tarifkommissionen gerade, was sie fordern können. In den Tarifkommissionen sitzen Vertreter der IG Metall-Mitglieder aus den Betrieben. Für die rund 130 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie steht das schon fest: Fünf Prozent mehr Geld fordern sie - ebenso wie für die Beschäftigten in den textilen Diensten in Westdeutschland. Ab nächster Woche wird verhandelt.


Positive Erwartungen überwiegen
In der Textilindustrie fallen Tariferhöhungen kaum ins Gewicht. Die Kosten für Löhne und Gehälter machen in der Textilindustrie nur 17,3 Prozent vom Umsatz aus, in der Bekleidungsindustrie sogar nur 14,3 Prozent. Eine Tariferhöhung von fünf Prozent würde sie nur mit 0,72 beziehungsweise 0,87 Prozent zusätzlich belasten. Das ist für die Branche finanzierbar. Die Umsätze sind - nach einem Einbruch im Krisenjahr 2009 von 17,1 Prozent - 2010 wieder um 16,9 Prozent gestiegen. Das Ifo-Institut in München, das regelmäßig Firmen zu ihren Geschäftserwartungen befragt, hat ermittelt, das sowohl bei den Textil- als auch die Bekleidungsfirmen für dieses Jahr die positiven Erwartungen überwiegen. Das passt zur Stimmung bei den Beschäftigten: Auch sie gehen mit "positiven Erwartungen" in die Tarifrunde.

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