Statistisches Bundesamt: Arbeitskräfteerhebung zur Arbeitszeit
Arbeitszeit gerechter verteilen

Fast drei Millionen Erwerbstätige sind unzufrieden mit ihrer Arbeitszeit. „Wir brauchen einen neuen Arbeitszeitkompromiss“, erklärte Jörg Hofmann, der Zweite Vorsitzende der IG Metall angesichts der in dieser Woche vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Untersuchung zur Arbeitszeit.

26. Juni 201526. 6. 2015


Die Arbeitszeit strukturiert den Alltag von Beschäftigten, die Gestaltung der Arbeitszeit prägt und bestimmt in einem hohen Maße das Leben der Menschen. Doch viele Menschen sind unzufrieden mit ihrer Arbeitszeit. Das ist das Ergebnis der aktuellen Arbeitskräfteerhebung des Statistischen Bundesamtes. Die neue Studie bestätigt die Ergebnisse der letzten Erhebung des „DGB-Index Gute Arbeit“ zum Thema Arbeitszeitgestaltung. „Es gibt starke Verwerfungen in der Arbeitszeitverteilung. Zu viele Beschäftigte arbeiten deutlich länger als sie wollen“, stellte Jörg Hofmann fest.


Arbeitszeitvolumen gerechter verteilen

In Vollzeit arbeitende Männer mit überlangen Arbeitszeiten würde gerne kürzer arbeiten. Andererseits möchte eine große Zahl von Teilzeitbeschäftigten, und dies sind weit überwiegend Frauen, eine Aufstockung ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit, wie es jetzt wieder die Erhebung des Statistischen Bundesamtes festgestellt hat. Wenn einerseits viel Männer weniger arbeiten wollen und viele Teilzeitbeschäftigte, meist Frauen, die Arbeitszeit ausweiten möchten, spiegelt sich darin der Wunsch nahezu aller Erwerbstätiger nach einer besseren Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf. „Arbeitszeit ist dafür die zentrale Stellschraube“, so der Zweite Vorsitzende der IG Metall.

Reale Arbeitszeiten, vertragliche Regelungen und Wunscharbeitszeiten liegen zum Teil erheblich auseinander. Der DGB-Report vom Dezember 2014 liefert dafür Fakten: Die Mehrheit der Beschäftigten, nämlich 62 Prozent, arbeitet mehr als 40 Stunden pro Woche, nur für 42 Prozent allerdings ist dies auch die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit. Für eine Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommt zu den langen Arbeitszeiten auch noch Zeitdruck und Stress hinzu: 56 Prozent der Befragten berichten davon, „oft“ oder „sehr häufig“ unter Zeitdruck zu arbeiten, so das Ergebnis der DGB-Befragung.

 

 

 

 


Jörg Hofmann verweist auf die Bedeutung individueller Lebenslagen bei der Beurteilung von Arbeitszeit. Fakt ist, dass das Alleinverdienermodell mittlerweile nur noch von einer Minderheit gelebt wird. Fakt ist zudem, dass Mobilität gefordert wird, dass Arbeitgeber von Beschäftigten heutzutage erwarten, für den Job auch lange Strecken zu pendeln oder gar umzuziehen. „Das alles aber zerreißt den sozialen Kontext.“

Beschäftigte wünschten sich eine „lebensphasenorientierte Gestaltung von Arbeitszeiten“, so Hofmann. „Wir sollten ein neues Normalarbeitsverhältnis anstreben, das eine unbefristete Vollzeitarbeit mit der Option der zeitweisen Absenkung von Arbeitszeiten für Pflege- und Betreuungsaufgaben, Zeit für berufliche Bildung und flexible Altersübergänge verbindet. Männer und Frauen, Väter und Mütter wollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Weil das so ist, nimmt die Bedeutung von Arbeitszeitmodellen zu, die die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben erleichtern – das hat sich auch in der großen Beschäftigtenbefragung der IG Metall von 2013 gezeigt, an der sich mehr als eine halbe Millionen Menschen beteiligt haben. Deren Ergebnisse waren eine wichtige Grundlage für die Forderungen der IG Metall in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Mit der Bildungsteilzeit gelang es in der Tarifrunde für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie einen wichtigen tarifpolitischen Baustein zu erzielen.


Null Spielraum bei der Arbeitszeitgestaltung

Der DGB-Index hat auch danach gefragt, welche Spielräume die Beschäftigten selbst in der täglichen Arbeitszeitgestaltung haben. Die Ergebnisse der Befragung sind an diesem Punkt ernüchternd: Flexibilität ist nach wie vor häufig bloß eine Einbahnstraße zum rigorosem Durchsetzen von Arbeitgeberinteressen und viel zu selten ein Instrument zur besseren Vereinbarung von Arbeit und Leben der Beschäftigten.

Die IG Metall kritisiert diese Tatsache auch deshalb, weil es eine direkte Verbindung gibt zwischen den individuellen Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Arbeitszeit auf der einen, sowie auf den Grad von Arbeitshetze und Wertschätzung auf der anderen Seite. „Größere Gestaltungsmöglichkeiten der Beschäftigten bei der Arbeitszeit führen zu einer besseren Arbeitsqualität“, betonte Jörg Hofmann. „Damit kann arbeitsbedingter Stress reduziert werden.“

Neu auf igmetall.de

Newsletter bestellen