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Nicolas Bauer

Nicolas Bauer, freigestellter Betriebsrat Hirschmann Automation and Control

"Das ist was für mich"

27.11.2009 Ι Vom Jugend- und Auszubildendenvertreter zum freigestellten Betriebsrat. Für Nicolas Bauer war schnell klar, dass er sich für die Beschäftigten in seinem Betrieb stark machen will. Und einen starken Betriebsrat brauchen seine Kolleginnen und Kollegen bei Hirschmann Automation and Control auch: Die Firmenleitung will ständig die Personalkosten drücken.

Die Entscheidung fiel an einem Wochenende im September 2000: Nicolas Bauer hatte gerade seine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker bei Hirschmann begonnen, da laden Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) und IG Metall ihn und die anderen neuen Azubis zu einem Kennenlern-Wochenende in Obersteinbach ein. "Das war völlig zwanglos. Wir haben uns da in entspannter Atmosphäre über Dinge unterhalten, die uns als Azubis wichtig waren", erzählt er. Die Ideen und Einstellung der Gewerkschafter gefallen ihm und er stellt fest: "Das ist was für mich." Am darauffolgenden Montag geht der damals 16-Jährige in das Büro des Betriebsrates und füllt das Anmeldeformular für die IG Metall aus.

Azubi und Arbeitnehmervertreter
Schon bald sammelt er erste Erfahrungen in der Gewerkschaftsarbeit; zunächst im Ortsjugendausschuss, dann im Leitungskollektiv des Bezirksjugendausschusses der IG Metall Baden-Württemberg. "Ich habe immer schnell 'hier' gerufen, wenn es was zu machen gab", erinnert sich Bauer. Als 2002 bei Hirschmann JAV-Wahlen anstehen, ist der Auszubildende ebenfalls zur Stelle und lässt sich zum Jugend- und Auszubildendenvertreter wählen - für ihn der "nächste logische Schritt".

Besonders junge Menschen sollten sich einmischen, meint der heute 26-Jährige: "Die junge Generation muss noch viele Jahre mit der Situation im Betrieb zurecht kommen. Da mische ich doch lieber jetzt mit, als hinterher unter den Folgen von Entscheidungen zu leiden, die andere über meinen Kopf hinweg getroffen haben."

Die Jungen sollen sich einmischen
Nach seiner erfolgreichen Kandidatur bei den Betriebsratswahlen im März 2006 hat der junge Arbeitnehmervertreter die Chance, im elfköpfigen Betriebsrat bessere Arbeitsbedingungen für alle 400 Beschäftigten am Hirschmann Standort Neckartenzlingen durchzusetzen. Seine oberstes Ziel ist der Erhalt von Arbeitsplätzen: "Für uns wird es immer wichtiger, Beschäftigung zu sichern und die in den Tarifverträgen geregelten Standards zu erhalten. Themen wie Personalentwicklung kommen da schon etwas zu kurz."

Seit 2007 gehört Hirschmann zum börsennotierten US-Konzern Belden, der, so Bauer, die Unternehmenspolitik nach den Prinzipien des Shareholder-Value und Quartalsdenkens ausrichte. Um die Renditevorgaben zu erfüllen, setzt die Firmenleitung den Rotstift bei den Beschäftigten an. Doch die sind nicht wehrlos: Die gut organisierte Belegschaft steht hinter ihrem Betriebsrat uns ist bereit, für ihre Rechte einzutreten.

Kampf für die Tarifbindung
Nicolas BauerSo auch, als Hirschmann in Neckartenzlingen in vier einzelne Betriebe aufgeteilt wird und im Zuge dessen der Konzern die Tarifbindung für den Vertrieb aufheben will. Um sich zu schützen, treten zahlreiche betroffene Arbeitnehmer der IG Metall bei und unterstützten die Bemühungen des Betriebsrates, die Tarifbindung zu erhalten - mit Erfolg. "Erst da ist vielen Kollegen klar geworden, welche Vorteile ihnen ein Betriebsrat bringt", erinnert sich Bauer und bedauert, dass oftmals erst eine konkrete Bedrohung im Raum stehen müsse, bevor sich die Beschäftigten organisieren. "Wenn es uns aber gelingt, die Kolleginnen und Kollegen zu informieren und zu überzeugen, haben wir eine starke Unterstützung an unserer Seite."

Keine betriebsbedingten Kündigungen
Das hat sich im Juni dieses Jahres wieder gezeigt. Die Firmenleitung plante, über fünf Millionen Euro bei der Belegschaft einzusparen - der Jobabbau schien unausweichlich. Die Arbeitnehmervertretung organisierte den Protest. "Wir haben wöchentlich ein bis zwei Betriebsversammlungen und eine Kundgebung direkt vor dem Gebäude der Firmenleitung auf dem Werksgelände abgehalten", berichtet Bauer nicht ohne Stolz.

Die Proteste zeigten Wirkung: Zwar seien die Sparpläne nicht vom Tisch, aber betriebsbedingte Kündigungen konnten Belegschaft und Betriebsrat gemeinsam verhindern. Das ist für den Arbeitnehmervertreter der Beweis, dass ein Betriebsrat, der "ordentlich und transparent arbeitet, wirklich etwas für die Beschäftigten erreichen kann".

Was macht einen guten Betriebsrat aus?
Für Nicolas Bauer sind transparentes Handeln und der Dialog mit den Kolleginnen und Kollegendas die Voraussetzungen für erfolgreiche Betriebsratsarbeit und den notwendigen Rückhalt im Unternehmen: "Es ist sehr wichtig, Herausforderungen gemeinsam mit den Beschäftigten anzugehen und nicht hinter verschlossenen Türen in einer Art Geheimrat etwas auszuhandeln, was am Ende keiner mehr nachvollziehen kann. Dann ist die Belegschaft zu recht sauer", meint er. "Gelingt es mir aber, die Belegschaft von vornherein einzubinden, erleichtert mir das die Arbeit und die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich ernst genommen."

Wo die IG Metall helfen kann
Engen Kontakt halten Bauer und der Hirschmann-Betriebsrat auch mit der IG Metall vor Ort. Besonders bei komplizierten Verfahren wie den Verhandlungen über Sozialpläne habe ihnen die IG Metall mit Rat und Tat zur Seite gestanden. "Die Aufgaben eines Betriebsrates sind so vielseitig, da kann man als Einzelner gar nicht in jedem Bereich den Überblick behalten", erklärt er. "Da ist es doch selbstverständlich, dass ich mir in schwierigen Situationen professionelle Beratung hole. Schließlich geht es hier um Arbeitsplätze."

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