60 Jahre Montanmitbestimmung
Kapital und Arbeit auf Augenhöhe
Im Bergbau und in der Eisen- und Stahlerzeugung - diese Branchen werden auch als Montanindustrie bezeichnet - haben sich die Belegschaften vor 60 Jahren die bisher weitgehendsten Mitbestimmungsrechte erkämpft. Im Aufsichtsrat sind danach Kapital und Arbeit gleichberechtigt vertreten. Der "neutrale Mann" der in Pattsituationen den Ausschlag gibt, kann nur gemeinsam bestimmt werden und der zusätzliche Arbeitsdirektor kann nicht gegen die Stimmen der Arbeitnehmer gewählt werden.
Leicht war das nicht. Günstig war, dass es den Gewerkschaften im Ruhrgebiet unter den Besatzungsmächten gelungen war, eine Praxis zu etablieren, die dem späteren Gesetz schon verblüffend ähnlich war. Mit ihren Zugeständnissen hatte die Kapitalseite weitergehende Forderungen der Gewerkschaften nach Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien verhindert. Zudem haben sie damit drohende Demontagen abgewehrt.
Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern waren erfolglos. Bei einer Urabstimmung votierten 98 Prozent der Stahlarbeitern und 93 Prozent der Bergleute für Streik. Die Gewerkschaften drohten, die gesamte Wirtschaft lahmzulegen. Daraufhin schaltete sich Bundeskanzler Adenauer ein und es kam zu Verhandlungen mit dem DGB-Vorsitzenden Hans Böckler.
Mit dem Montan-Mitbestimmungsgesetz vom 10. April 1951 wurden die gewerkschaftlichen Vorstellungen weitgehend erfüllt. Adenauer hatte aber erreichen können, dass das Gesetz nur in der Montanindustrie angewendet wird. Dagegen wollten die Gewerkschaften diese Mitbestimmungsregeln auf die gesamte Wirtschaft ausdehnen. Dass dies nicht einfach werden würde, ahnte damals schon Hans Böckler. In einer Rede vor Stahlarbeitern sagte er:"Noch höhere Kampfziele werden noch höheren Einsatz von uns fordern". Tatsächlich gelang es den Gewerkschaften nicht, die Qualität der Montanmitbestimmung auszudehnen. Denn das allgemeine Mitbestimmungsgesetz von 1976 stellte keine Parität zwischen Unternehmen und Beschäftigten her.
Bei seiner Verabschiedung im Jahr 1951 betraf die Montanmitbestimmung 71 Bergbaubetriebe und 34 Unternehmen der Eisen- und Stahlerzeugung. Heute gilt es noch in neun Zechen und 22 Eisen- und Stahlbetrieben mit insgesamt etwa 100 000 Beschäftigten.


























