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Detlef Wetzel. Foto: Gaby Gerster

Junge Generation: Interview mit Detlef Wetzel

Wie wollt Ihr leben und arbeiten?

13.07.2011 Ι Eine Familie gründen, ein Häuschen bauen, für später vorsorgen - egal, welche Pläne junge Menschen schmieden. Ohne berufliche Sicherheit bleiben sie nur Luftschlösser. Deshalb: sichere und faire Arbeit jetzt. "Die Zukunft gehört der jungen Generation", findet der Zweite Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel. "Sie sollte darüber entscheiden, wie sie leben und arbeiten will."
Die IG Metall setzt sich für die Zukunft und Perspektiven der jungen Generation ein. Wen wollen wir erreichen?
Detlef Wetzel: Junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren.

Was haben sie gemeinsam?
Auf den ersten Blick ist es eine sehr bunte Gruppe. Junge Ingenieure, die bereits erste Berufserfahrungen gesammelt haben. Mechatronikerinnen, die sich fragen, welches Wissen sie in Zukunft brauchen. Aber auch junge Menschen ohne Schulabschluss, die von einer Maßnahme zur nächsten geschoben werden. Und Leiharbeitnehmer, die auf eine Festanstellung hoffen. Eins gilt aber für alle: In ihrem Berufsleben ist nur sicher, dass nichts sicher ist. Die moderne Arbeitswelt verlangt gerade von dieser Generation alles. Sie müssen ständig bereit sein, sich zu verändern - beruflich und räumlich. Da kommen Bedürfnisse nach Familie, Freunden oder sozialem Engagement schnell unter die Räder.

Was bietet die IG Metall jungen Leuten?
Wir bieten ihnen eine starke Gemeinschaft. Allein im stillen Kämmerlein wird kaum einer Probleme lösen. Das kennen viele von ihrer Arbeit. Sie sind Teamplayer und wissen: Für gute Ideen braucht es mehr als einen Kopf. Das gilt auch für die IG Metall. Wir brauchen die jungen Köpfe, um mit ihnen die Arbeitswelt von morgen zu gestalten. Das ist ihre Zukunft. Wir laden jeden ein, es nicht den Arbeitgebern zu überlassen, wie diese Zukunft aussehen wird. Detlef Wetzel. Foto: Jens de Braune Angel

Haben 20- bis 35-Jährige andere Probleme als Ältere?
Alle Zahlen sprechen dafür. Wer über Leiharbeit, Befristungen oder Praktika spricht, spricht von dieser Generation. Viele Ältere sehen Leiharbeit eher als Bedrohung für ihre Kinder und Enkelkinder als für sich selbst. Wer heute wissen will, wie seine berufliche Zukunft aussieht, muss sich nur die Stellenangebote anschauen: Leiharbeit oder Leiharbeit, ihr habt die "Wahl". Und ein sicherer Arbeitsplatz bedeutet noch lange nicht gute Arbeit. Aus Angst, diesen zu verlieren, lassen sich gerade junge Beschäftigte immer mehr aufbürden. Sie arbeiten 60 Stunden die Woche, abends und am Wochenende. Das macht die Gesundheit nicht lange mit. Immer mehr Menschen brennen am Arbeitsplatz aus. Familie und Freunde kommen zu kurz.

Diese Entwicklung kam nicht über Nacht. Warum jetzt eine Kampagne?
Wir stehen an einer Weggabelung. Die Krise hat die Arbeitgeber auf den Geschmack gebracht. Als die Aufträge einbrachen, wurden sie die Leiharbeitnehmer billig los. Je weniger Sicherheit sie ihren Beschäftigten bieten, desto kleiner wird ihr unternehmerisches Risiko. Jetzt wollen sie offenbar testen, wie klein sie es machen können, ohne wirtschaftlich Schaden zu nehmen.

Aber die IG Metall hat dieser Entwicklung auch bisher nicht tatenlos zugesehen?
Wir reden nicht nur von besseren Arbeitsbedingungen für Leiharbeitnehmer. In 1220 Betrieben und in der Stahlbranche haben wir damit ernst gemacht. Wir wollen faire und sichere Arbeit, Arbeit, die Zeit für Freunde und Familie lässt und Arbeit, die 30-Jährige nicht wie 50 aussehen lässt. Dafür kämpfen wir bei Tarifverhandlungen und in den Betrieben. Bei uns gibt es viele junge Menschen, die ihre Probleme anpacken. Die Operation Übernahme ist sehr erfolgreich, und das ist ein Erfolg der Jungen. Aber wir wollen wissen, ob wir mit diesen Themen auf dem richtigen Weg sind. Sind das die Themen junger Menschen? Packen wir sie richtig an? Diese Fragen können uns nur sie beantworten. Und in diesem Fall gilt: Viel hilft viel.

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Detlef Wetzel

Detlef Wetzel ist seit 2007 Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

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