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Weiterbildung. Foto: contrastwerkstatt / Fotolia.de

Hintergrund: Berufliche Weiterbildung und Qualifizierung

Berufliche Bildung als langfristige Daseinsvorsorge

Die Bildung und Berufsbildung junger Menschen beeinflussen wesentlich deren Zukunftschancen. Die individuelle Förderung von Kindern und Heranwachsenden, der gleichberechtigte Zugang zu hochwertigen Bildungs- und Ausbildungsangebote sind elementare Voraussetzungen für Chancengleichheit und Beschäftigungsperspektiven.

Der Druck auf alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wächst, mehr als bisher in ihre eigene Qualifikation zu investieren. Mehr und mehr wird die Benachteiligung ganzer Bevölkerungsgruppen, wird sozialer Abstieg durch Verlust des Arbeitsplatzes, wird die Ausdehnung des Niedriglohnsektors und Lohndumping mit dem Hinweis auf fehlende Abschlüsse, mangelnde Bildungsmotivation und Qualifikationsdefizite gerechtfertigt.

Wer am "Bildungsboom" nicht teilnimmt, das ist die zentrale Botschaft, ist selber schuld. Eingeklagt wird individuelle Bildungsverantwortung. Gesellschaftliche, öffentliche Bildungsverantwortung und strukturelle Ursachen für die unterschiedliche Bildungsbeteiligung treten in den Hintergrund.

Die IG Metall hält diese bildungspolitische Weichenstellung für fatal. Einkommens-, Arbeits-, Berufs- und Lebenschancen abhängig Beschäftigter werden wesentlich durch Bildung und Berufsbildung beeinflusst. Individuelle Förderung von Kindern und Heranwachsenden, ein gleichberechtigter Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und Ausbildung sind dabei elementare Voraussetzungen für Chancengleichheit und Beschäftigungsperspektiven.

Öffentliche und gesellschaftliche Aufgabe ist es, dafür die institutionellen, organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen und vor allem auch finanzielle Mittel bereitzustellen. Entsprechend muss die bildungspolitische Verantwortung auf der Bundesebene erhöht werden. Die IG Metall setzt sich mit allem Nachdruck für eine Korrektur der Föderalismusreform und einen Kurswechsel in der Bildungspolitik zugunsten von ArbeitnehmerInnen ein.

Erwerbsbiografien begleiten und durch Bildung gestalten
Berufliche Bildung ist eine langfristige Daseinsvorsorge, mit der Weichen für den späteren Erwerbsverlauf, für die berufliche und soziale Zukunft und betriebliches Älterwerden gestellt werden. Deshalb setzen wir uns bei der Erarbeitung von Berufen und Studiengängen für breite Grundlagen, für berufliches Weiterlernen und die Anschlussfähigkeit beruflicher Erstausbildung an neue Entwicklungen ein.

Deshalb wehren wir uns gegen die Einführung zweitklassiger Anlernberufe und berufliche Schmalspurausbildung. Wir beteiligen uns an der Erarbeitung von zukunfsfähriger Qualifizierung (e-Mobilität, Green tech), die wir als Grundlage für lebenslanges Lernen mitkonzipieren. Die Zunahme prekärer Beschäftigung, die Ausweitung von Teilzeitbeschäftigung und Leiharbeitsverhältnissen haben die Anforderungen an die Individuen entscheidend verändert.

Ein oft erzwungener Berufs- und Tätigkeitswechsel erfordert von jedem Einzelnen mehr Selbstorganisation und Verantwortung für die eigene Berufsbiografie. Diese Flexibilität erfordert von Seiten des Bildungssystems mehr Durchlässigkeit, die Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen und eine an der Bildungsbiografie ausgerichtete Informations- und Beratungsstruktur und in den Betrieben geeignete Personalkonzepte und Arbeitszeitmodelle.

Unser Handlungsfeld: Weiterbildung
Mehr als unzureichend ist die Politik der Bundesregierung in Sachen Weiterbildung. Wir fordern die Bundesregierung auf, einen Aktionsplan für eine Bildungsoffensive zu erarbeiten. Weiterbildung ist nicht nur eine betriebliche, sondern auch eine öffentliche Aufgabe. Deshalb fordern wir ein Bundesrahmengesetz zur Weiterbildung.

Alle müssen einen Anspruch auf eine qualifizierte Beratung haben, die ihren beruflichen Qualifikationsbedarf durch die Bundesagentur für Arbeit oder von ihrem beauftragten qualifizierten Berater ermittelt. Die Bundesagentur für Arbeit ist zu einer Arbeitsversicherung weiterzuentwickeln. Eine Arbeitsversicherung mit dem Schwerpunkt der Sicherung der Beschätigungsfähigkeit muss ein Recht auf Bildung und Weiterbildung als zentrales Element begründen.

Angelernte und Migranten sind in vielen Betrieben von der Weiterbildung fast vollständig ausgeschlossen. Das muss korrigiert werden. Die Zahl der gering qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer muss durch die geforderte Bildungsoffensive reduziert werden. Vor allem unzureichend qualifiziert Jugendliche und junge Erwachsene aus Familien mit einem Migrationshintergrund könnten davon profitieren.

Auch die Zugänge zur wissenschaftlichen Weiterbildung müssen durchlässiger werden. Berufliche erworbene Kompetenzen müssen anerkannt werden. Die Höhe der Gebühren darf nicht zum Hinderungsgrund für die Teilnahme werden.

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