Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie
IG Metall-Vorstand empfiehlt bis zu 6,5 Prozent
In den vergangenen Wochen haben die Mitglieder der IG Metall in den Betrieben intensiv diskutiert, um wie viel Prozent die tariflichen Entgelte in der Metall- und Elektroindustrie steigen sollen. Heute hat der Vorstand der IG Metall darüber beraten - und ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen.
In der Metall- und Elektroindustrie sind rund 3,6 Millionen Menschen beschäftigt. Die derzeitigen Entgelt-Tarifverträge laufen Ende März aus.
Sichere Perspektiven für Junge
Zwei weitere Forderungspakete für die anstehende Tarifrunde hatte der Vorstand schon im September 2011 beschlossen: Eines betrifft die Jugend. Die IG Metall will die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung zur Regel machen. "Wir wollen sichere Berufsperspektiven für junge Menschen", erklärte Berthold Huber, der Erste Vorsitzende der IG Metall, heute in einer Pressekonferenz. Außerdem will die IG Metall die Ausbildungsfähigkeit benachteiligter Jugendlicher fördern. Firmen sollen lernschwächeren Jugendlichen eine Chance geben und sie vor der Ausbildung ein Jahr lang im Betrieb darauf vorbereiten.
Fairness für Leiharbeitnehmer
Beim zweiten Forderungspaket geht es um "faire Bedingungen in der Leiharbeit". Die IG Metall will mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie vereinbaren, dass Betriebsräte, also die Interessenvertreter der Beschäftigten in den Firmen, mehr Mitbestimmungsrechte erhalten. Sie sollen darüber mitreden, ob, wo, wie lange und in welchem Umfang Leihbeschäftigte eingesetzt werden.
Berthold Huber verkündet auf der Pressekonferenz die Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstandes
Wirtschaft ist stabil
"Die wirtschaftliche Lage in der Metall- und Elektroindustrie ist heute zum Glück besser als wir im Herbst noch befürchtet hatten", sagte Huber. Die Metallbranchen stünden "stabil da". Die deutsche Wirtschaft könne auf ein "bemerkenswert gutes Jahr 2011" zurückblicken. Für 2012 "rechnen wir im ersten Quartal mit einem stagnierenden Wachstum und danach mit einer spürbaren Belebung".
Doch auch wenn die IG Metall keinen Kriseneinbruch wie in 2009 erwartet: Das wirtschaftliche Umfeld bleibt unsicher, weil die Risiken aus der Krise der Finanzmärkte und der Verschuldungskrise der Staaten in Europa nach wie vor nicht bewältigt sind.
Neue Herausforderungen
Schon seit einiger Zeit entwickelt sich die Wirtschaft wechselhafter. Die Konjunkturzyklen werden kürzer und unberechenbarer. Auf diese Veränderungen müssen die Tarifparteien eine Antwort geben. Die sieht die IG Metall in einer "mittelfristigen und verlässlichen Tarifpolitik". Verlässlichkeit bedeutet, gegenüber dem Tarifpartner, den Arbeitgebern, vertragstreu zu sein und nicht während der Laufzeit eines gemeinsam vereinbarten Tarifvertrags "Nachforderungen" zu stellen. Verlässlichkeit bedeutet aber auch, den Mitgliedern der IG Metall einen fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg zu verschaffen.
Mittelfristige Tarifpolitik
Mittelfristig heißt: Bei der Höhe der Forderung orientiert sich die IG Metall, wie in der Vergangenheit, am Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und der Preise. Beides zusammengerechnet bildet den so genannten "verteilungsneutralen Spielraum". Dieser Spielraum und die Entgelterhöhungen müssen sich mittelfristig parallel entwickeln.Darum berücksichtigt die IG Metall nicht nur die für dieses Jahr prognostizierten wirtschaftlichen Daten, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung nach dem letzten Tarifabschluss. Den hatte die IG Metall im Februar 2010 unterschrieben. Damals steckte die Wirtschaft noch mitten in der tiefsten Krise der Nachkriegszeit. Über 600 000 Beschäftigte standen in Kurzarbeit. Ein Ende der Krise war nicht in Sicht. In dieser Situation entschied sich die IG Metall für eine relativ lange Laufzeit des Tarifvertrags. "Damit", erklärt Huber, "haben wir für stabile Arbeitsplätze und Planungssicherheit der Unternehmen gesorgt".
2010 war aber nicht damit zu rechnen, dass sich 2011 zu einem wirtschaftlich so erfolgreichen Jahr für die Metall- und Elektroindustrie entwickeln würde. "Die guten Ergebnisse kennen auch die Belegschaften, die diesen Erfolg möglich gemacht haben", sagt Huber. "Sie haben eine faire Einkommenserhöhung redlich verdient." Darum müsse das gute Jahr 2011 jetzt bei der Höhe der Forderung mitbetrachtet werden. "Wer diese berechtigten Ansprüche mit Begriffen wie "Nachforderung" zu diskreditieren versucht, wie es die Arbeitgeber zum Teil tun, hat die tarifpolitischen Notwendigkeiten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit nicht verstanden", erklärt Huber.
Tarife*
Lohn, Gehalt und mehr.
Januar 2012
Mitglieder diskutieren in Betrieben und Tarifkommissionen die Forderung.
7. Februar 2012
IG Metall-Vorstand empfiehlt eine Tarifforderung.
Februar 2012
Tarifkommissionen debattieren die Forderungsempfehlung.
23. Februar 2012
Tarifkommissionen beschließen Tarifforderung und Kündigung der Tarifverträge.
24. Februar 2012
IG Metall-Vorstand berät die Erwartun- gen aus den Tarifkommissionen und beschließt die endgültige Forderung.
März 2012
Start der Verhandlungen am 6. März.
31. März 2012
Entgelt-Tarifverträge enden.
28. April 2012
Ende der Friedenspflicht.
Die IG Metall handelt mit den Arbeit- gebern Tarifverträge aus. Sie regeln Löhne, Gehälter und Ausbildungs- vergütungen - aber auch, wie lange Arbeitnehmer arbeiten müssen und wieviel Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld ihnen zusteht. Beschäftigte, für die IG Metall-Tarif- verträge gelten, haben die 35-Stunden-Woche und 30 Tage Urlaub im Jahr. Gäbe es keine Verträge, wären die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.


























