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Inhalt
Hintergrund: Junge Generation
Geprägt von Wechseln und Brüchen
Der Jugend gehört die Zukunft. Doch wie soll diese Zukunft aussehen? Die Krise und ihre Folgen treffen die junge Generation hart: Zukunftschancen sind ungleich verteilt, der Einstieg ins Berufsleben ist von prekären Jobs bestimmt. Hier muss sich etwas ändern!
Jugend: Sie steht für den Aufbruch in eine neue, eine bessere Welt. Dazu gehört auch der Bruch mit dem Althergebrachten. Denn Jugend klagt eine bessere Zukunft ein und will sie sich auch erkämpfen. Sie kritisiert die Gegenwart und besonders die ältere Generation. Soweit zum lange gehegten Selbstverständnis der jungen Generation.
Doch sieht sich die Junge Generation selbst als Hoffungsträger einer besseren Welt? Sind die gesellschaftlichen, die sozialen, die ökonomischen Bedingungen der jungen Generation so, dass sie eine bessere Zukunft schaffen kann?
Der pessimistische Blick nach vorn
Laut aktueller Shell-Studie sehen nur 56 Prozent der Jungen - also eine denkbar knappe Mehrheit - der Zukunft positiv entgegen. Das ist kaum Aufbruch. Und bestätigt Studienergebnisse, die die IG Metall schon vor einem Jahr veröffentlicht hat. Die junge Generation glaubt in der Mehrheit nicht mehr daran, dass es ihr einmal besser gehen wird als ihren Eltern. Drei Viertel glauben, dass es ihnen entweder genauso gut - oder genauso schlecht - oder sogar noch schlechter gehen wird.
Und von den Älteren glauben nur sechs Prozent, dass es den Jüngeren einmal besser gehen wird als ihrer Generation. Das mag in einem der reichsten Länder der Welt auf den ersten Blick nicht dramatisch scheinen. Schaut man genauer hin, ist der Befund alarmierend:
Denn mit dem verlorenen Glauben an die bessere Zukunft für die nächste Generation geht auch der Glaube an eine bessere Zukunft insgesamt verloren. Damit wird ein gesellschaftliches Leitbild nachdrücklich in Frage gestellt. 
Quelle: Langhoff, Krietsch, Starke 2010: Der Erwerbseinstieg junger Erwachsener: unsicher, ungleich, ungesund, in: WSI-Mitteilungen 7/2010
Brüche und Wechsel
Ein weiteres - ebenso alarmierendes - Ergebnis der Studie ist, dass die Lebenssituation der heute 14- bis 34-Jährigen geprägt ist durch Brüche und Wechsel. Das ist einerseits schon immer so gewesen und gehört zu diesem Lebensalter dazu: der erste Job, die erste Liebe, die erste eigene Bude, vielleicht eine andere Stadt, dann Karriere im Beruf, Gründung einer Familie. In diesen 20 Jahren werden viele Weichen für das weitere Leben gestellt.
Neu ist, dass die unter 35-Jährigen überproportional von prekärer Beschäftigung wie Leih- und Zeitarbeit betroffen sind. Jeder fünfte hat nur einen befristeten Arbeitsplatz. Ein Drittel hat Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz oder Arbeitsplatz zu finden. Ein Drittel war bereits länger als sechs Monate arbeitslos.
Und 62 Prozent haben bereits einen oder mehrere ungewollte Arbeitsplatzwechsel hinter sich. 36 Prozent der unter 35 jährigen haben bereits Arbeitslosigkeit am eigenen Leib erfahren - ist das mehr als ein Randphänomen. Zwei Drittel der unter 35-Jährigen hat Erfahrungen mit atypischer Beschäftigung.
Die Erfahrung einer ganzen Generation
Der Einstieg ins Berufsleben wird holpriger: Etwa ein Drittel derjenigen, die heute eine zufriedenstellende Tätigkeit gefunden haben, empfanden den weg dahin als problematisch. Die negativen Konsequenzen für die individuelle Lebens- und Berufsplanung liegen auf der Hand! Damit wird die Erfahrung von Unsicherheiten und Brüchen zum Alltag der Mehrheit einer ganzen Generation.
Die Wirtschaftskrise hat dieses Gefühl der Unsicherheit noch weiter verstärkt: So hat die exponentiell steigende Staatsverschuldung auf der einen und die als Reaktion beschlossenen sozial unausgewogenen Sparmaßnehmen auf der anderen Seite Folgen insbesondere für die Junge Generation:
Es sind ihre Zukunftschancen, die auf den internationalen Finanzmärkten verzockt wurden. Die mittel- und langfristigen Folgen - national und international, politisch und ökonomisch -, werden maßgeblich die Rahmenbedingungen und Chancen der Jungen Generation bestimmen, sich ein "gutes Leben" aufbauen zu können.
Was ist zu tun?
Der Mensch gehört in den Mittelpunkt des politischen Handelns! Die Verbesserung des Lebens aller Menschen muss bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden. Das ist die so einfache wie anspruchsvolle Philosophie unserer Kampagne für ein "gutes Leben". Und da besonders für die jungen Menschen die Gefahr groß ist, dass sie um ihre Lebensperspektiven betrogen werden, will die IG Metall ihre Anliegen zum Thema in der politischen Debatte machen. Wir fordern:
- Arbeit - sicher und fair: Regulierung und Eindämmung von Leiharbeit, Befristungen, Werksverträgen und Niedriglöhnen. Normale, unbefristete Arbeitsverträge müssen wieder die Regel werden. Eine ausreichende Zahl an Ausbildungsplätzen und die Übernahme nach der Ausbildung muss sichergestellt werden.
- Perspektiven für Arbeit und Leben: Dazu gehören die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Perspektiven für berufliche Weiterentwicklung und Weiterbildungsmöglichkeiten für alle Beschäftigten.
- Gerechtigkeit in der Gesellschaft: Ziel muss ein gerechtes, durchlässiges und gut ausgestattetes Bildungssystem sein, welches benachteiligte Gruppen fördert und nicht abhängt. Schluss mit Niedrigeinkommen für Berufseinsteiger!
- Soziale Sicherheit: Die Gründung einer Familie darf kein Armutsrisiko sein. Die junge Generation muss realistische Perspektiven auf ein vernünftiges Sicherungsniveau haben. Vor allem die Altersvorsorge und die Absicherung bei Arbeitslosigkeit erfüllen genau das nicht.
Die junge Generation will ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen - die IG Metall unterstützt sie dabei. Wir handeln und stellen Anforderungen an die Politik. Wir reagieren mit betriebs- und tarifpolitischen Aktivitäten auf die Anforderungen der jungen Generation für ein gutes Leben.

