Ältere brauchen mehr alternsgerechte Jobs
Irgendwann kann man einfach nicht mehr
Bei Thyssen-Krupp waren krankheitsbedingte Kündigungen bisher kein Thema. Doch mit der Rente mit 67 befürchten die Betriebsräte und Schwerbehindertenvertreter schwere Zeiten. Sie stehen vor der Aufgabe, deutlich mehr alternsgerechte, entlastende Arbeitsplätze also bisher zu gestalten. "Es ist nicht vorstellbar, wie die Kollegen in Wechselschicht oder in der Zeche bis 67 durchhalten sollen", sagt Frank Lang, IG Metall Vertrauensmann bei Thyssen-Krupp besorgt. Egal - ob Büro oder Produktion - ab einem gewissen Alter können die Leute einfach nicht mehr.
Mehr alternsgerechte Arbeitsplätze sind nötig
Bisher ist die Zahl der entlastenden und alternsgerechten Arbeitsplätze bei Thyssen-Krupp noch überschaubar. Diese Jobs sind mit den etwa 50-jährigen Beschäftigten mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen besetzt. Bisher konnten diese ab einem Alter von 55 Jahren sozial flankiert in den Ruhestand ausscheiden. Diese Möglichkeiten hat der Gesetzgeber beseitigt. Nun werden deutlich mehr entlastendende Arbeitsplätze benötigt als bisher. Denn ein solcher Arbeitsplatz muss nun nicht mehr nur rund fünf, sondern dann bis zu 17 Jahre lang besetzt werden. "Im Konzern gibt es viele Angebote zur Gesundheitsförderung und wir rüsten Arbeitsplätze um, aber wir stoßen irgendwann an Grenzen«, betont Lang.
Rente mit 67: Sozialpolitischer Super-Gau
Hans-Jürgen Urban, beim IG Metall-Vorstand für Sozialpolitik zuständig, sieht für Ältere immer schlechtere Beschäftigungschancen. Vor acht Jahren haben noch 24 Prozent der Metallbetriebe Fördermaßnahmen für Ältere angeboten, inzwischen hat sich das auf 20 Prozent reduziert: "Angesichts der Realität in der Arbeitswelt ist es völlig unverständlich, dass die Bundesregierung an der Anhebung der Rentenaltersgrenze festhält, erklärte Urban. Gerade Menschen mit einer angeschlagenen Gesundheit oder einer Behinderung droht der sozialpolitische Super-GAU, denn starre, höhere Altersgrenzen - ohne Rücksicht auf extreme Arbeitsbelastungen - führen fast unweigerlich ins Hartz IV-System. Zu bedenken sei dabei auch, dass der Anteil der Erwerbsminderungsrenten im Jahr 2008 im Bundesdurchschnitt bei 18,6 Prozent, in den Metallberufen sogar bei über 24 Prozent lag.
