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Hintergrund: Leiharbeit

Dem Missbrauch einen Riegel vorschieben

Dumpinglöhne und miese Arbeitsbedingungen - das ist Leiharbeit in Deutschland. Die gesetzlichen Regelungen öffnen Missbrauch Tür und Tor. Leiharbeiter sind Beschäftigte zweiter Klasse, denen ein gerechter Lohn und ein faire Behandlung verweigert werden. Das muss aufhören!

Die IG Metall setzt sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten ein. Deshalb nimmt sie nicht hin, dass es in den Betrieben Beschäftigte zweiter Klasse gibt. Mit der Kampagne "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" macht sich die IG Metall bundesweit für gleiche Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen von Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern stark und geht gegen Ungerechtigkeiten und Missbrauch in der Leiharbeitsbranche vor.

Systemfehler
Es ist kein Geheimnis: Das deutsche System der Leiharbeit ist nicht nur gescheitert, es verstößt auch gegen europäisches Recht. Deshalb fordert die IG Metall eine sofortige Umsetzung der Richtlinie zur Leiharbeit der Europäischen Union, die besseren Schutz bietet. Zum Beispiel durch die zeitliche Begrenzung von Leiharbeit, die Gleichbehandlung von Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern und nicht zuletzt durch das Recht auf gleiche Bezahlung.

Jetzt ist die Bundesregierung am Zug: Mit unserer Initiative "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" fordern wir gemeinsam mit vielen Unterstützern aus allen Bereichen der Gesellschaft die sofortige Umsetzung des europäischen Rechts zur Leiharbeit.

In den Betrieben aktiv
Die Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall werden Leiharbeit weiter zum Thema in den Betrieben machen. Unser Ziel: Leiharbeit soll verhindert oder zumindest beschränkt und gestaltet werden. Dafür werden wir mit aller Kraft alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen.
Wir werden die Situation der Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer in den Betrieben verbessern. Mit Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen, die gleiche Bezahlung und gleiches Recht für die in Leiharbeit Beschäftigten garantieren.


Quelle: Bundesagentur für Arbeit/ Hans-Böckler-Stiftung 2010 / * Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft

Das Märchen vom Klebeeffekt
In der jüngsten Wirtschaftskrise hat sich Leiharbeit, das einst so hoch gelobte angebliche "Jobwunder", als Schleudersitz in die Arbeitslosigkeit entpuppt. Während die Stammbelegschaften durch den Einsatz von Kurzarbeit in aller Regel ihre Arbeitsplätze behielten, waren die Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer bei schlechter Auftragslage meist die Ersten, die gehen mussten. Doch damit hat sich das Thema Leiharbeit noch lange nicht erledigt, im Gegenteil.

Statt neue reguläre Arbeitsplätze zu schaffen, werden viele Arbeitgeber versuchen, den notwendigen Personalaufbau hauptsächlich über eine massive Ausweitung der Leiharbeit zu bewerkstelligen. Das Risiko von Auslastungsschwankungen wird so künftig noch weiter auf die Beschäftigten abgewälzt, die Arbeitgeber entziehen sich auf diese Weise ihrer Verantwortung.

Verfehlte Personalpolitik
Die Folgen einer solchen Personalstrategie sind katastrophal: Sie führt zur stetigen Verkleinerung der Stammbelegschaften, einer allgemeinen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und einer weiteren deutlichen Absenkung des Lohnniveaus. Doch nicht nur für die Arbeitnehmer, auch für die Arbeitgeber birgt eine solche Strategie auf Dauer einige erhebliche Risiken.

Bei Einsatzzeiten von nur wenigen Monaten fehlt es den Leiharbeitskräften im Vergleich zu den Stammbeschäftigten oftmals an Wissen und Erfahrung. Ständig in hohem Tempo fluktuierende Belegschaften gehen so schnell auf Kosten von Qualität, Innovation und Produktionszeiten. Eine Entwicklung, die auch gesellschaftlich nicht ohne Folgen bleiben wird. Von den Bürgerinnen und Bürgern
befürchten 78 Prozent, dass Leiharbeit zunehmend reguläre Stellen ersetzt. Es droht ein Klima der Unsicherheit.

Die Lage in den Betrieben
Die IG Metall hat im September 2010 zur aktuellen Situation von Leiharbeit eine Befragung durchgeführt. 5159 Betriebsratsvorsitzende aus dem Organisationsbereich der IG Metall haben sich an der Umfrage beteiligt.


Quelle: IG Metall Befragung

Die Ergebnisse sind alarmierend. Der Missbrauch der Leiharbeit nimmt rasant zu und der Abbau von Stammbelegschaften ist in vollem Gange. Die Umfrage zeigt:

  • Die Betriebe decken den zusätzlichen Arbeitskräftebedarf mehrheitlich durch prekäre Beschäftigung ab. Unbefristete Einstellungen sind die Ausnahme
  • Leiharbeitsquote steigt auf Rekordniveau
  • Leiharbeit ersetzt zunehmend Stammbeschäftigung


Soziale und ökonomische Abwärtsspirale
Mit der massiven Ausweitung von Leiharbeit droht eine soziale und ökonomische Abwärtsspirale, die letztendlich nicht nur auf Kosten der Beschäftigten geht, sondern auch immensen, gesamtgesellschaftlichen Schaden verursacht. Niedrige und Niedrigst-Löhne bedeuten auf der einen Seite immer mehr auf Transferleistungen angewiesene Beschäftigte, und auf der anderen Seite immer weniger Geld für die schon jetzt am Anschlag operierenden sozialen Sicherungssysteme.

Die meisten lehnen Leiharbeit ab
Angesichts dessen verwundert es nicht, dass Leiharbeit auch in der Gesellschaft keinen guten Ruf hat: Für vier von fünf Befragten ist Leiharbeit eine moderne Form von Ausbeutung und führt zu Lohndumping. Zu diesem Ergebnis kommt eine im April 2010 durchgeführte repräsentative TNS Infratest-Umfrage im Auftrag der IG Metall. Dieses Urteil geht durch die Wähler aller Parteien.

Ein überwältigender Teil der Befragten lehnt Leiharbeit ab. 85 Prozent meinen, dass Leiharbeit zu Lohndumping führt, 78 Prozent halten Leiharbeit für "eine moderne Form der Ausbeutung", 79 Prozent fürchten, dass durch Leiharbeit reguläre Arbeitsplätze verdrängt werden.



Initiative Gleiche Arbeit-Gleiches Geld
Mit der Leiharbeitskampagne "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" hat die IG Metall in den letzten Jahren bereits viel erreicht. Leiharbeit wurde bundesweit zu einem viel diskutierten Thema in der Öffentlichkeit, an dem auch die Politik nicht mehr vorbeisehen konnte.

Wenn sich viele Menschen vor Ort beteiligen, hat unsere Kampagne Erfolg. Betriebsräte und Vertrauensleute, die sich für konkrete Verbesserungen für die Leiharbeitskräfte in ihrem Betrieb einsetzen. Belegschaften, die ihre Kolleginnen und Kollegen in Leiharbeit nicht ausgrenzen, sondern mit ihnen gemeinsam für gleiche Arbeitsbedingungen, gleiche Bezahlung und gleiche Rechte kämpfen.

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