Ordnung auf dem Arbeitsmarkt
Fair und sicher statt billig und unreguliert
Die IG Metall kritisiert die anhaltende Prekarisierung der Arbeit in Deutschland. Der wachsende Niedriglohnsektor bremst die gesamtwirtschaftliche Dynamik, behindert den technologischen und ökologischen Strukturwandel in der deutschen Industrie und nimmt besonders jungen Menschen die Zukunftsperspektiven. Deshalb hält die IG Metall an ihrer Forderung nach einer neuen Ordnung auf den Arbeitsmarkt fest.
Tatsächlich ist der Arbeitsmarkt in Deutschland zweigeteilt. Mit mehr als 41 Millionen Beschäftigten geht das Jahr 2011 als Rekordjahr auf dem Arbeitsmarkt ein. Doch die Zahl der Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen wächst. Und es trifft besonders die Jungen. Gerade sie stecken in Leiharbeit, werden über Werkverträge beschäftigt oder haben nur einen Minijob. Das bedeutet für viele nicht nur einen mageren Verdienst. Diese Arbeitsverhältnisse bieten auch keinerlei Sicherheit. Doch um sich eine Zukunft nach den eigenen Vorstellungen aufbauen zu können, brauchen junge Menschen sichere und faire Arbeitsbedingungen.
Leiharbeit - kein Sprungbrett in den Arbeitsmarkt
Die Zahl der Leiharbeiter nähert sich zwischenzeitlich der Millionengrenze und damit einem neuen Rekord. Ebenso wie die Minijobber oder Arbeitnehmer mit Werkverträgen verdienen Leiharbeitnehmer deutlich weniger als regulär Beschäftigte - im Schnitt 40 Prozent. Aber nicht nur die Bezahlung ist schlechter. Leiharbeiter werden schneller arbeitslos, sind oft nicht in ihrem Ausbildungsberuf beschäftigt und werden bei der Weiterbildung benachteiligt. Häufig erfüllen sie aufgrund der kurzen Beschäftigungszeit noch nicht einmal die Voraussetzungen, um Arbeitslosengeld zu beziehen.
Minijobs auf Rekordniveau
Nicht nur Studenten, Hausfrauen oder Rentner arbeiten als Minijobber. Immer häufiger nehmen regulär Beschäftige einen Nebenjob an. Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, versuchen sie sich ein Zubrot zu ihrer Hauptbeschäftigung zu verdienen. Insgesamt gab es 2011 rund 7,3 Millionen Menschen in einem Minijob. Sie verdienen nicht einmal halb so viel wie Arbeitnehmer in einer regulären Vollzeitstelle.
Werkverträge - die neue Billiglohnlinie
Nach der Leiharbeit haben die Unternehmen mit den Werkverträgen einen neuen Hebel gefunden, um die Löhne zu drücken. Viele der Beschäftigten mit Werkverträgen erhalten noch nicht einmal den Mindestlohn. Nachdem die IG Metall in vielen Unternehmen Besservereinbarungen für Leiharbeiter durchgesetzt hat, lagern die Firmen immer häufiger bestimmte Aufgaben, die eigentlich zur Wertschöpfungskette gehören, an Subunternehmer aus. Diese bezahlen dann meist keine Tariflöhne und beschäftigten ihrerseits nicht selten nur Leiharbeitnehmer.
Stammbeschäftigte unter Druck
Auch Beschäftigte mit regulären sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverträgen geraten unter Druck. Mit Leiharbeit, Werkverträgen und Minijobs ziehen die Firmen eine Billiglohnlinie in den Betrieben ein. Viele Stammbeschäftigte haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Denn nicht wenige Unternehmen setzen Stammbeschäftigte vor die Tür und stellen sie alles Leiharbeitnehmer oder über Werkverträge zu schlechteren Bedingungen wieder ein.
Regulierung des Arbeitsmarkts überfällig
Angesichts der immer größer werdenden Kluft zwischen atypischer Beschäftigung in Minijobs und Leiharbeit und den tariflich geregelten Bereichen ist eine Regulierung des Arbeitsmarktes überfällig. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind keine Alternative zu regulärer Beschäftigung. Sie sind eine Sackgasse. Diese Entwicklung bremst die gesamtwirtschaftliche Dynamik und behindert den technologischen und ökologischen Strukturwandel in der deutschen Industrie. Mit "prekär" alleine kann man keine Fachkräftebasis sichern. Eine Regulierung des Arbeitsmarktes bedeutet nicht weniger Wirtschaftswachstum, sondern mehr Sicherheit, mehr Wettbewerbsfähigkeit und insgesamt eine bessere Einkommensentwicklung. Deshalb muss die Politik endlich ihre Hausaufgaben machen und klare Regeln schaffen.


























