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Die Arbeit

Mehr als ein Job - das halbe Leben!

Was gehört zu einem guten Leben? Gute Arbeit! Sprich Arbeit, von der man leben kann - und mehr: Arbeit, die gefällt, die Spaß macht, die mich weder unter- noch überfordert. Sind diese Ansprüche zu hoch? Wir finden nicht. Die Arbeit ist das halbe Leben, da müssen mehr als nur die Eckdaten stimmen.
"Sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden und ist in Ihrem Betrieb alles okay?" Eigentlich sollte jeder Beschäftigte diese Frage bejahen können, zumindest im Großen und Ganzen. Tatsächlich können es die wenigsten. Nur 15 Prozent der Beschäftigten bezeichnen ihre Arbeitsbedingungen als gut. Doppelt so viele arbeiten unter schlechten Bedingungen (33 Prozent), jeder zweite unter mittelmäßigen (52 Prozent).

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit 2010. Jahr für Jahr lassen die Gewerkschaften wissenschaftlich ermitteln, wie die Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen beurteilen. Abgefragt werden beispielsweise die Themen berufliche Zukunftsaussichten, Arbeitsplatzsicherheit und Arbeitsintensität sowie Einkommen. Übrigens: Wer seine eigene Arbeitssituation bewerten möchte, kann das auf der Website des Index tun.

Beschäftigte unter 35 sind sechsmal häufiger von betriebsbedingten Kündigungen betroffen. Grafik: wegewerkDie Arbeit bestimmt unser Leben; das heißt die Arbeitsbedingungen sind viel zu wichtig, um sie allein den Arbeitgebern zu überlassen. Wer arbeitet, kann seine Arbeitsbedingungen beurteilen. Die Beschäftigten sind Experten in eigener Sache; gut ist die Arbeit, die ihren Ansprüchen genügt. Und natürlich wirkt sich die Arbeit auf das gesamte Leben aus: Mehr Arbeitsqualität bedeutet mehr Lebensqualität. Schlechte Arbeit hingegen verbaut Perspektiven, raubt die Gesundheit und zwingt zum frühzeitigen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben.

Untersicherheit macht krank, Dauerstress setzt die Seele unter Druck.
Rein statistisch war 2010 jeder Beschäftigte einmal krankgeschrieben. Das hat die Techniker Krankenkasse (TK) herausgefunden. Zwischen den Altersgruppen gibt es jedoch große Unterschiede: Jüngere zwischen 15 und 25 Jahren sind mit knapp zwei Krankschreibungen im Jahr fast doppelt so häufig arbeitsunfähig wie Ältere (allerdings dauern ihre Krankschreibungen nicht so lang).

Deutlich angestiegen sind auch bei Jüngeren die Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen. Ursache dafür könnten die gestiegenen Anforderungen der Arbeitswelt sein: "Von den Berufseinsteigern werden heute immer vielfältigere Qualifikationen und Flexibilität erwartet", erklärt eine TK-Expertin. "Dazu kommt häufig die Unsicherheit durch befristete Arbeitsverhältnisse, die es immer schwerer machen, Zukunft zu planen und Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren."

Dauerstress setzt die Seele unter Druck, und das zeitigt Folgen - psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Das bestätigt auch der DAK-Gesundheitsreport 2011. Bei den 20- bis 30-Jährigen gehen acht Prozent der Fehltage im Job auf das Konto psychischer Erkrankungen. Jeder Fünfte empfindet seinen Arbeitsalltag als sehr stressig, jeder Vierte leidet unter Zeitdruck. Vielen schlägt der Konkurrenzkampf aufs Gemüt. Sowohl Unter- als auch Überforderung sorgen für Unzufriedenheit. Fehlende Anerkennung und Mobbing verschlechtern das Betriebsklima.

Ein Drittel aller Erwerbstätigen unter 35 Jahren arbeitet befristet und für Niedriglohn. Grafik: wegewerkEs sind mehr junge Erwachsene arbeitslos, als die Statistik ausweist
Zur Lebenswirklichkeit junger Leute gehört auch, dass allzu viele gar nicht erst in den Betrieb kommen (weil dort die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt): Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist nämlich höher, als die Statistik ausweist. Bei den 15- bis 19-Jährigen steigt die Arbeitslosenquote auf 14 Prozent, wenn man alle zusammenzählt, die weder eine Schule besuchen oder eine Lehre absolvieren noch arbeiten gehen; unter den 25- bis 29-Jährigen steigt diese Quote sogar auf 17 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ursache dafür sei das stark ausgebaute Übergangssystem zwischen Schule und Berufsausbildung ("Warteschleifen"), das zu keinem Berufsabschluss führe.

Der komplette Maßnahmendschungel müsse deshalb radikal gelichtet werden: Wer nicht ausbildungsreif sei, müsse gefördert werden - alle anderen sollten eine "Ausbildungsgarantie" erhalten. Der Autor der Studie stellt dem deutschen Bildungssystem ein miserables Zeugnis aus: Es sei auffallend, schreibt er, das die Arbeitsmarkt- und Bildungsteilhabe junger Menschen hierzulande mit zunehmendem Alter abnehme. "Eine derart negative Entwicklung finden wir sonst nur noch in Tschechien."

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