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Das HTC-Biokohleprojekt und die Innovationspolitik der IG Metall in Niedersachsen

Innovationen sichern die Zukunft der Arbeitsplätze

29.04.2011 Ι Thomas Müller ist bei der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zuständig für Technologie-, Umwelt- und Innovationspolitik. Er hat unter anderem die Türen für die Förderung des HTC-Projekts beim Land Niedersachsen geöffnet. Wir sprachen mit dem Gewerkschafter über Projekte zur Hydrothermalen Carbonisierung (HTC) und die Innovationspolitik der IG Metall.

Thomas, wie kam das HTC-Biokohle-Projekt ins Rollen?
Thomas Müller: Reinhard Voges, der Betriebsrat und Gründer des Innovationsausschusses bei Salzgitter und Service und Technik, kam auf mich zu. Er hätte interessante Leute und Perspektiven im Bereich Stahl und Anlagenbau. Allerdings bräuchten sie dazu die Unterstützung des Landes Niedersachsen. Und da wir als IG Metall-Bezirksleitung Kontakte zur Landesregierung haben, könnten wir ja vermitteln.

Und wie hat das Land reagiert?
Es gibt es ja bundesweit Projekte zur Hydrothermalen Carbonisierung. Das ist also schon mal kein Orchideenthema. Das Innovationszentrum beim Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium hat dann sehr sachlich reagiert und das Projekt über Gutachten bewertet. Das Ergebnis: Klingt sehr interessant. Das Land Niedersachsen fördert das HTC-Projekt nun mit 2,3 Millionen Euro. Das war aber auch nur möglich, weil die Wissenschaftler in dem Projekt, Professor Peinke und Thomas Greve sehr gut vorgearbeitet und kürzester Zeit ein Netzwerk aus Wissenschaftlern aufgebaut haben. Zugleich war Reinhard Voges sehr aktiv und hat Betriebsräte möglicher Anwenderunternehmen in der Region angesprochen. Da hat sich ausgezahlt, dass wir als IG Metall in den letzten Jahren der Region Südost-Niedersachsen einen Innovationsarbeitskreis aufgebaut haben, mit regelmäßigen Treffen von Betriebsräten.

Wie steht es mit den konkreten industriellen HTC-Anwendungen? Die Salzgitter AG sträubt sich ja noch. Gibt es in anderen Unternehmen konkrete Pläne?
Derzeit noch nicht. Da gibt es noch zu viele Fragezeichen: Funktioniert das HTC-Verfahren auch im großindustriellem Rahmen? Es geht da ja um den gesamten Prozess, vom Biomasse einsammeln bis hin zur Produktion. Aber das können wir ja nun mit den Fördergeldern und der neuen größeren Pilotanlagen viel klarer ausloten.

Ein spezieller Innovationsarbeitskreis von Betriebsräten in der Region. Ein Innovationsausschuss des Betriebsrats bei Salzgitter Service und Technik. Du als spezieller Innovationspolitik-Beauftragter. Schlägt die IG Metall da neue Wege ein?
Die IG Metall kümmert sich seit einiger Zeit verstärkt um Innovationen. Das spiegelt sich ja auch in unseren Leitlinien für Standortverhandlungen wider. Für uns steht natürlich die möglichst nachhaltige Sicherung der Beschäftigung in den Betrieben im Mittelpunkt. Dass wir Ausschau nach neuen Technolgien und Produkten halten, ist dazu ein Schlüssel. Derzeit passiert das jedoch noch meistens erst, wenn eine konkrete Krise, etwa eine Verlagerung droht. Schön wäre es, wenn wir das kontinuierlicher hinbekommen könnten. Dazu laden wir regelmäßig Betriebsräte ein, um sie zu sensibilisieren. Das war ja auch das Ziel des Innovationsarbeitskreises in Südost-Niedersachsen.

Gibt es aus Eurer Innovationsarbeit heraus weitere konkrete Ergebnisse?
Konkrete Projekte zu neuen Produkten eher weniger. Im letzten Jahr war beispielsweise das Blockkraftwerk-Projekt bei VW in Salzgitter in den Schlagzeilen: mit Erdgas betriebene Automotoren als "Zuhause-Kraftwerke". Die Idee hatten Ingenieurarbeitskreise des Betriebsrats entwickelt und vorangetrieben. Aber Innovationspolitik geht ja auch viel weiter: Wir haben jetzt mehrere Standorte, wo Betriebsräte einer Verlagerung eines Produktionsbereichs zustimmen, wenn zugleich eine andere Technologie und ein neue Produktlinien mit Zukunft dazu aufgebaut werden. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um die Sicherung von Kompetenz im Betrieb, die entscheidend für die Zukunft ist.

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